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Türchen Nr. 22 ###Toleranz###

Dieses Jahr 2020 war ein Lehrjahr für Toleranz

 

Da Intoleranz schneller erklärt ist, will ich mal damit beginnen:

Intoleranz bedeutet, keine andere Meinung als die eigene, gelten zu lassen.

 

Wohin das führt, haben wir gerade in den letzten Monaten deutlich gespürt und erlebt. Es dürfen sich hierbei wirklich alle angesprochen fühlen, die nur ihre eigene Meinung als die einzig richtige ansahen oder es noch immer tun.

 

Als ich bemerkte, dass ich mich mit meinem Meinungsbild angreifbar machte und in eine Art Verteidigungsmodus verfiel, habe ich mich bemüht, großzügiger mit anderen Meinungen umzugehen. Es passierte, dass ich etwas verteidigte, obwohl es gar nicht wirklich mein war, es war nur eine Aussage, die gerade der des Gegenübers nicht entsprach. Es trafen zwei Welten aufeinander und daraus entstand schnell, wenn man nicht aufpasste, ein sinnloser Streit, weil keiner dazu bereit war, von seiner Meinung abzurücken. 

 

Seit dem unterstelle ich jeder Meinung, die richtige zu sein. Nicht, das ich jetzt keine eigene Meinung mehr hätte, aber ich wäre bereit, mich von etwas anderem überzeugen zu lassen. Ich habe nicht mehr den Stolz, etwas für richtig zu halten (behalten), nur weil ich es gestern noch so sah. Wenn heute andere Fakten bekannt sind, sich etwas entwickelt hat, was die Welt ganz anders aussehen lässt, warum dann an der alten Meinung festhalten? Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?

 

Warum neigen wir nun allzu oft zu einer solchen Haltung, die geprägt ist von Intoleranz und Unduldsamkeit? Es ist wahrscheinlich einerseits der eben genannte, eigene Stolz aber wohl viel mehr noch ein hoher Grad an Unsicherheit. Wir halten uns gerne an etwas fest, selbst wenn es schon alt und verkorkst ist. Es brächte uns durcheinander, müssten wir uns neu orientieren, neu aufstellen, wir haben Angst davor, UNGLAUBWÜRDIG zu sein. "Ich kann doch heute nicht vom Gegenteil überzeugt sein, was sollen die Leute von mir denken?"

 

Toleranz ist also etwas, das wir uns aneignen können. Es muss aus uns selbst heraus kommen, wie Mut oder Courage.

 

5 gute Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du dich das nächste Mal auf einen Streit einlässt: 

Frage dich, ob...

1. deine Meinung wirklich wichtig ist und Einfluss auf die Sache hat

2. es in dieser Sache mehrere richtige Meinungen geben könnte

3. es irgend jemanden weiter bringt, wenn du auf deiner Meinung beharrst

4. die Meinung des anderen möglicherweise deinen Horizont erweitern könnte

5. es nicht schönere Themen gibt, über die man reden könnte, sogar über Gemeinsamkeiten.

 

Für mich ist das Leben deutlich leichter geworden, seit dem ich meinem Gegenüber unterstelle, dass es Recht haben könnte. Es ist in 95% aller Fälle gar nicht nötig, das ich meine Meinung überhaupt zum Ausdruck bringe, denn ich wurde gar nicht danach gefragt. 

 

Wenn ich wirklich mal gefragt werde, sage ich natürlich, was ich meine. Ich kann davon auch überzeugt sein. Trotzdem lasse ich die anderen Meinungen zu und bin nicht beleidigt, wenn sie meiner nicht entsprechen wollen. Ich kann auch offen zugeben, dass ich etwas nicht bedacht habe oder nicht wusste. 

Seine Meinung zu ändern, bedeutet nicht, wie ein Fähnlein im Wind zu sein, es ist eher ein Zeichen für Entwicklung und Fortschritt. So sehe ich das zumindest. Wenn es nichts besseres gibt, als das , wovon ich überzeugt bin, kann ich doch auch bei der Meinung bleiben. Ich muss sie aber auch nicht allen ungefragt entgegen rufen. 

 

Toleranz führt zu einem entspannten Dasein und ist dadurch auch ein Teil einer gesunden Lebensweise. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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